Montag, 16. Mai 2022
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Schwitzend durch Käfige kriechen Brandschutz: Rund 700 Feuerwehrleute trainieren jedes Jahr auf Atemschutzübungsanlage des Kreises in Lohr

Nur 72 Meter haben Michael Behringer und Bastian Mühlon zurückgelegt. Trotzdem sind sie klatschnass geschwitzt. Denn die Feuerwehrleute aus Lengfurt haben die 72 Meter am Samstag auf der Atemschutzübungsanlage des Landkreises im Keller der Lohrer Stadtwache hinter sich gebracht.

Hintergrundinfos.

Die Anlage gibt es so lange wie die Feuerwache selbst - seit 1988. Der Bau der Wache war auch der Grund, warum die Übungsanlage nach Lohr kam. Denn die Atemschutzwerkstatt des Kreises steht in Karlstadt. Nur in Lohr war genug Platz für die 140 Quadratmeter große Übungsanlage.
Sie gehört dem Kreis, das Team von acht Atemschutzausbildern stellt die Lohrer Wehr. 85 Feuerwehren im Kreis und die drei THW-Ortsverbände verfügen über Atemschutzgeräteträger. Jeder von ihnen muss einmal im Jahr zum Üben auf die Anlage.
Bei kleineren Wehren werden Termine zusammengelegt, größere Wehren bekommen zwei bis drei Termine angeboten, um alle Atemschutzgeräteträger durchzuschleusen, erläutert Joachim Mantel, früher Kommandant und jetzt Leiter des Bereichs Umwelt- und Atemschutz der Lohrer Stützpunktfeuerwehr.
So kommen pro Jahr trotz Sommerpause 100 bis 110 Durchgänge auf der Anlage (für jeweils maximal zwölf Atemschutzgeräteträger) zustande. Rund 700 Teilnehmer sind es jedes Jahr. Doch vor der Übung kommt die Theorie.
Wer Atemschutzgeräteträger werden will, muss zunächst einen 28 Stunden umfassenden Grundlehrgang absolvieren, erläutert Mantel: Grundlagen der menschlichen Atmung, Funktionsweise des Pressluftatmers, Bedienung des Funkgeräts, Einsatztaktik, aber auch praktische Übungen wie das Anlegen der Ausrüstung.
Am Ende des Kurses steht eine schriftliche und praktische Prüfung, »man kann auch durchfallen«, so Mantel. Michael Behringer und Bastian Mühlon haben bestanden. Sie müssen nun jedes Jahr einen Durchlauf absolvieren.

Jedes Jahr andere Strecke

Doch die Übungsstrecke sieht immer anders aus. Die Bestandteile, vor allem Gitterkäfige, lassen sich umstecken. Vom reinen Belastungstraining über Übungsziele wie Puppen in Dunkelheit zu bergen bis zum Werkzeugeinsatz reicht das Repertoire.
Behringer und Mühlon steht ein Belastungstraining bevor. Das vorgeschriebene dreiköpfige Ausbilderteam empfängt sie: Steffen Heilmann, Mantels Stellvertreter, Aljoscha Holitzka und Andreas Leipelt. Zunächst lassen sie sich die ärztlichen Atteste zeigen. Jeder Atemschutzgeräteträger muss alle drei Jahre zum Arzt.
Nach dem Anlegen der Ausrüstung (siehe »Hintergrund«) bringen sich die beiden an einem 25 Kilo wiegenden Schlaghammer und einer Endlosleiter auf Touren. Man hört, wie die Atmung unter den Masken schneller wird. So wird die Belastung während eines Einsatzes simuliert.
Auf den »Industrieraum« mit einem Übungstank und einer Rohrleitung folgt eine zwölf Meter lange Hitzestrecke mit zwei Ebenen, auf der Temperaturen zwischen 35 und 70 Grad eingestellt werden können. Dann kommt der Orientierungsraum: Gitterkäfige auf drei Ebenen, die bei Dunkelheit und eingespieltem Lärm durchkrochen werden müssen.
Als wäre das noch nicht genug, geht es zum Schluss noch einmal an Schlaghammer und Endlosleiter. Als Behringer und Mühlon die Masken absetzen, kommen schweißnasse Gesichter zum Vorschein. »Ein bisschen feucht, aber es geht«, sagt Behringer.
Für Ernstfall gerüstet
Mühlon meint: »Wenn's nicht anstrengend wäre, müssten wir's nicht immer wieder machen.« - »Wir müssen für den Ernstfall gerüstet sein«, ergänzt Behringer. Während sie die Ausrüstung ablegen, bereitet sich die nächste Gruppe vor, fünf Wehrleute aus Rettersheim, darunter eine Frau.
Quelle: Main-Netz, Thomas Josef Möhler

Hintergrund: Ausrüstung der Atemschutzgeräteträger

Noch bevor ein Atemschutzgeräteträger einen Löschschlauch oder eine Leiter in die Hand nimmt, schleppt er bereits 25 bis 30 Kilogramm mit sich herum. So viel wiegt seine persönliche Schutzausrüstung.
Am auffälligsten ist der Pressluftatmer, der allein rund 16 Kilogramm auf die Waage bringt. Die Druckluftflasche mit sechs Liter Volumen enthält mit 300 bar komprimierte Luft - rein rechnerisch sind das laut Joachim Mantel 1636 Liter Atemluft. Der frühere Kommandant leitet heute den Bereich Umwelt- und Atemschutz der Lohrer Feuerwehr.
Beim »harmlosen Arbeiten« (40 Liter Atemluft pro Minute), so Mantel, reicht der Vorrat also rund 40 Minuten, bei körperlicher Anstrengung verdoppelt sich der Luftverbrauch, die Flasche reicht nur für 20 Minuten. »Das hängt auch vom Trainingszustand ab«, erläutert Mantel, »Untrainierte verbrauchen mehr Atemluft«.
Zur persönlichen Schutzausrüstung gehören ferner die Atemschutzvollmaske, der Helm, Flammenschutzhaube, die mehrlagige Brandschutzkleidung und Handschuhe. (Thomas Josef Möhler)

 

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BSA Goldbach 2012

Erstmalig wurde im Jahr 2012 die Brandsimulationsanlage für Unterfranken bei der Freiwilligen Feuerwehr Goldbach statt. Es war ein gelungener Tage bei schönstem Wetter.

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